Freitag, 14. Oktober 2016

Eigentlich mache ich das ja nicht...

...eigentlich trinke ich kein Alkohol, aber...
...eigentlich gebe ich nicht so viel Geld für Kleidung aus, aber......eigenlich mag ich sie ja, aber...
...eigentlich hasse ich Rosienen, aber...
...eigentlich brauche ich nicht noch mehr Lichterketten, aber...
...eigentlich sollte ich für die Klausur lernen, aber...

Hallo ihr Lieben!
Eigentlich - aber. Die wohl häufigste Wortkombi unserer Sprache, die gleichzeitig aber auch sehr unbeliebt ist. Was ist dieses "eigentlich" eigentlich?

Ich ertappe mich täglich sogar mehrmals dabei, dass ich Sätze wie die Obigen in meinem Sprachgebrauch benutze. Natürlich ohne mir dabei jedes Mal den Kopf darüber zu zerbrechen, warum denn gerade. Aber da ich gerade jeden Tag Orchesterproben im Theater habe, komme ich hier und da mal zum nachdenken und Gegenstand meiner Gedanken diesmal, war dieses "eigentlich, aber" - Problem.

Ein vernünftiger, geradlieniger und zielstrebiger Mensch würde nun sicher sagen, dieses "eigentlich" gibt es gar nicht. Entweder bin ich gegen etwas, oder eben dafür. Ausnahmen machen das Leben unstet und nehmen die Struktur. Man sollte doch seine Ziele und deren Pläne zur Erfüllung immer im Fokus behalten, denn ansonsten kann man sie auch gleich begraben... oder?

Und genau dieses "oder" bei dem Gedankengang hat mich stutzig werden lassen. Ist es denn tatsächlich so? Nach einigen gedanklichen Wirbelstürmen und ein paar verpassten Einsätzen im Orchester kam ich dann doch noch zu einer Lösung dieses Problemes, mit der ich mich anfreunden konnte...
Ich finde, man sollte "eigentlich" ein wenig differenziert betrachten. Sowohl differenziert bezogen auf den Themenverhalt, als aber auch auf den Charakter oder Typen des Menschen.
Wenn ich nun sage, "eigentlich trinke ich keinen Alkohol, aber heute stoße ich mit an." dann ist das meiner Meinung nach nicht ganz der richtige Ausdruck. Ich möchte damit ja sagen, dass ich nur gelegentlich Alkohol trinke, aber eben sehr selten. Geht man nun aber von einem Menschen aus, der zielstrebig niemals Alkohol trinkt, der würde diesen zweiten Teilsatz, eingeleitet mit "aber" komplett weglassen. Bedeutet die Verwendung von "eigentlich" also immer zwangsläufig Schwäche?
Auf keinen Fall! Bezieht man den Sachverhalt nämlich wieder auf ein anderes Thema, so sieht das schon wieder verschieden aus. "Eigentlich mag ich sie, aber ihr heutiges Verhalten hat mich enttäuscht." Das ist ein legitimer Ausdruck, wie ich finde. Denn er bezieht sich auf eine Sache, die man selbst nicht in der Hand hat. Und nur weil sich eine Freundin einmal schlecht verhalten hat, kann man sie ja trotzdem noch mögen, nicht wahr? Genauso die Sache mit den Rosienen.. Und ich darf an dieser Stelle anmerken, dass Rosienen für mich der Abschaum aller Lebensmittel sind - ein großes Stück Mitleid an alle Weintrauben die so enden mussten - mein Beileid. Aber wenn sich nun bespielsweise meine Oma mit ihrem Herzblut an einen Weihnachtsstollen gewagt hat und ihre Augen vor stolz funkeln, dann beiße ich eben in den sauren Apfel und koste ihn trotzdem, auch wenn ich "eigentlich" gar keine Rosienen mag.

Das ist nun schon wieder ein ganz schön langer Text geworden..
Aber manchmal ist es auch nötig, sich über die selbstverständlich erscheinenden Dinge ein paar Gedanken zu mache.

Wie seht ihr das Ganze? Verabscheut ihr "eigentlich" und verbindet dieses Wort mit charakterlicher Schwäche? Oder seid ihr wie ich, eher dieser spontane Typ, der auch mal etwas tut oder sagt, obwohl er es "eigentlich" anders geplant hatte?
Ich bin sehr gespannt!

Nun habt noch einen wunderbaren Tag - liebste Grüße,
Chiara :-)

Kommentare:

  1. Richtig toller Text! Da habe ich noch nie so richtig drüber nachgedacht.
    Ich wünsche dir einen wundervollen Sonntag.

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  2. Vielen lieben Dank!
    Ja, manchmal sind es diese kleinen und alltäglichen Dinge, über die es sich doch lohnt, ab und zu nachzudenken.
    Hab noch einen wunderbaren Tag <3

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